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Stunk 2010: Ich bin dann mal jeck ...
"Polonäse nach Peking"
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Auch die Stunker lieben Angie
VON HELGA BITTNER
Neuss (NGZO) Beim Stunk des Theaters am Schlachthof wird NRW versteigert, und ausgerechnet die Chinesen bekommen den Zuschlag. Den Rheinländer ficht das nicht an, er macht dann eben die "Polonäse nach Peking".


Strunz und Möller sind stocksauer. Alles haben die Chinesen eingepackt: das Funkemariechen, die Kamelle, die Kostüme, selbst die Schwarzgeldkasse von ihrem Pappnas e.V. ist weg. Kein Wunder, dass die beiden Gift und Galle spucken: "Der Chinese kann überhaupt kein Karneval! Wenn es wenigstens der Nordkoreaner wäre – der weiß, was 'ne anständige Rakete is!"

Wir schreiben das Jahr 2011. Es ist Aschermittwoch, und nicht nur für den Karneval ist alles vorbei, sondern auch für das Land NRW. Gerade werden die letzten Reste des Landes nach China verfrachtet und dort wieder aufgebaut (wenn auch mit kleinen Irrtümern wie beim Kölner Dom als Plattenbau), denn die Bundesregierung hat in ihrer Finanznot NRW bei Ebay an die Chinesen versteigert. Also zieht eine "Polonäse nach Peking", vorrangig bestehend aus den Stunkern des Theaters am Schlachthof (TaS), aber mit einer so unwiderstehlichen Anziehungskraft, dass jeder, der sie sieht, mit muss.
So rund wie schon lange nicht mehr präsentiert sich die alternative Karnevalssitzung des TaS in der Wetthalle, deren Texte erneut von Sabine Wiegand (Songs), Martin Maier-Bode und Jens Neutag stammen. Der Verkauf des Bundeslandes, dessen letzte Aktionen in einer Live-Übertragung aus einem Fernsehstudio kommentiert werden, ist mehr als nur ein übergestülpter Rahmen, sondern eine herrlich abstruse Idee, die Rankhilfe für allerhand skurrile Szenen und politische Spitzfindigkeiten ist.

Da ist der Blick zum Den Haager Gerichtshof, wo die Neusser Heimatfreunde sich wegen "intellektueller Verwahrlosung" und Integrationsverweigerung verantworten müssen und "zu zehn Jahren Nüsser Ovend, aber nüchtern" verdonnert werden. Da ist der Blick in beliebte TV-Serien wie "Angie und die starken Männer" mit dem dummen Knorre Pofalla, dem flotten Faxe Westerwelle und dem schönen Cor von Guttenberg. Da ist der Blick zur Bundeswehr in Kundus, wo Soldaten an einer Büttenrede für Afghanistan feilen. Und da ist auch ein Blick zurück. Denn wäre es für den Karneval nicht noch schlimmer gekommen, wenn die DDR die Bundesrepublik vor 20 Jahren übernommen hätte? Die Zog-Besucher in den "neuen elf Bezirken" jubelten mit roten Winkelementen den sozialistisch korrekten Spaßmachern zu und würden Parolen wie "Der Hoppeditz dankt dem ZK für Sicherheit und NVA!" grölen.

Die rund dreieinhalbstündige Sitzung vergeht wie im Flug – weil Spielszenen und Musik exakt abgemischt sind und alles von der ansteckenden Spielfreude des Stunk-Ensembles mit Sabine Wiegand, Ilva Melchior, Carolin Stähler, Jens Kipper, Jens Spörckmann, Dennis Prang und Harry Heib getragen wird. Das klare Bühnenbild von Bernd Farber mit TV-Studio und Comptertechnik für Bildeinspielungen, die auch ein Wiedersehen der Stunk-Kultfiguren Strunz und Möller (Maier-Bode und Neutag) möglich macht, ist dazu die kongeniale Ergänzung.



Alle Künstler können Sie weiterhin im Theater am Schlachthof Neuss sehen.
Wir freuen uns auf 2011.